„Abi Vegas“ – um jeden Punkt gepokert

„Glück fällt einem nicht einfach so zu“, gab Schulleiterin Sigrid Rechenauer den 94 Abiturientinnen und Abiturienten des Karolinen-Gymnasiums mit Blick auf das Abiturmotto „Abi Vegas – um jeden Punkt gepokert“ bei der Abiturverleihung mit auf den Weg. Am 26. Juni wurde der 82. Abiturjahrgang der Schule verabschiedet – erstmals in der Mensa, die von den Abiturienten liebevoll als Casino geschmückt war.

Die Feierlichkeiten begannen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der denkmalgeschützten schuleigenen Kapelle. Daran schloss sich ein Sektempfang in der Aula an, bei dem der Elternbeirat Getränke ausschenkte, während Schülerinnen und Schüler der 8c mit ihrer Lehrerin Stefanie Tschumpel Häppchen anboten. Die Stimmung war trotz der hochsommerlichen Temperaturen gut und man sah bei Absolventinnen und Absolventen und deren Familien lachende und erwartungsvolle Gesichter.

Der anschließende Festakt in der Mensa wurde vom großen Chor unter der Leitung von Edith Kaltenbrunner mit dem Musikstück „Wir hatten eine gute Zeit“ eröffnet. In ihrer Begrüßung hob Frau Rechenauer besonders die Jahrgangsbesten hervor, allen voran Laura Paas, die herausragende 891 von 900 möglichen Punkten erreicht hat. Weiters wurden Jakob Scharbert, Elias Schneeberger, Valentin Schneeberger, Rebecca Köhrer und Christian Csordas gewürdigt, die sich mit einem 1,0-Abiturschnitt ebenfalls als Preisträger der Dax-Stiftung über ein ansehnliches Preisgeld freuen können. Auch in diesem Jahr bedenkt die Dr.-Maria-Miehle-Stiftung die drei besten Abiturleistungen mit finanziellen Zuwendungen; diese gehen an Laura Paas, Jakob Scharbert und Elias Schneeberger. Die drei besten Abiturleistungen im Fach Deutsch, die von Laura Paas, Jakob Scharbert und Annamaria Jahns erreicht wurden, werden ebenfalls von der Dr.-Maria-Miehle-Stiftung mit Preisgeldern gewürdigt. Laura Paas, die auch den Physik-Preis der Firma Adphos erhielt, und Jakob Scharbert qualifizierten sich mit ihren hervorragenden Leistungen zudem für das Auswahlverfahren der Stiftung Maximilianeum.Insgesamt verabschiedete das Karo mit einem Gesamtschnitt von 2,14 einen sehr leistungsstarken Jahrgang, bei dem fast die Hälfte der Absolventen insgesamt eine Eins vor dem Komma erzielte.

Für den Elternbeirat gab Herr Dr. Alexander Wolf in einem lockeren, motivierenden Vortrag Ratschläge zur beruflichen Orientierung und forderte die Abiturienten auf, individuelle Stärken zu reflektieren, eigenständig entsprechende Entscheidungen zu treffen, aber auch Resilienz gegenüber einem möglichen Scheitern zu entwickeln. Die Notwendigkeit von Resilienz aufgrund mancher Tiefpunkte in der Schullaufbahn sahen auch Franziska Schroeder und Felix Zeißl, die für den Abiturjahrgang das Wort ergriffen. Dabei skizzierten sie humorvoll die unterschiedlichen Schülerextreme von „äußerst gewissenhaft“ zu „auf den letzten Drücker“ und einigten sich auf „die goldene Mitte“ bei zukünftigen Herausforderungen. Darüber hinaus bedankten sie sich bei ihren Kursleitern und insbesondere bei den beiden Oberstufenkoordinatoren Barbara Kreuz und Oskar Schneider. Letzterer wurde mit einem großen Geschenkkorb von seinem letzten Abiturjahrgang vor der anstehenden Pension verabschiedet.

Das musikalische Rahmenprogramm gestaltete der Jahrgang mit Q13-Band und Vokalensemble Q12/13 überwiegend selbst, unterstützt von der Schulband unter der Leitung von Gerrit Arntz. Mit dem Song „Dancing Queen“ von Abba erfolgte die Überleitung zum Höhepunkt der Veranstaltung, der feierlichen Verleihung der Abiturzeugnisse. Rosalie Arntz und Josefine Ernst (beide Klasse 5e) überreichten jeder Absolventin und jedem Absolventen zudem eine Rose. Schülerinnen und Schüler, die sich viele Jahre für die Schulgemeinschaft engagiert haben, erhielten einen City-Shopping Gutschein, gestiftet vom Förderverein des Karolinen Gymnasiums, während herausragende Leistungen auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit dem begehrten MINT EC-Zertifikat gewürdigt werden konnten.

Auf das eingangs erwähnte Abiturmotto nahm die Schulleiterin in ihrer Rede Bezug und verglich das „Zocken“ beim Glücksspiel mit den Herausforderungen bei Prüfungen: Genauso wie im Casino brauchte es auf dem Weg zum Abitur Durchhaltevermögen, Nervenstärke und eine große Portion Glück. Sich aber nur auf Glück zu verlassen, reichte in der Q-Phase oft nicht, vielmehr waren Fachkompetenz, Fleiß und Disziplin gefragt. Glück sei nach einem bekannten Wort des Philosophen Seneca das, was entsteht, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. Daran anknüpfend formulierte Sigrid Rechenauer die Empfehlung, Glücksmomente zu genießen und zugleich als einmalige Chance zu begreifen und zu nutzen. Auch ging sie auf die besondere Schullaufbahn dieses ersten G9-Abiturjahrgangs ein, der neben Corona-Pandemie auch den langjährigen Um- und Neubau des Karo von Anfang an miterlebt hat und die Fertigstellung von Turnhalle und Pausenhof nun nicht mehr genießen könne. Mit den besten Wünschen für den weiteren Lebensweg verabschiedete die Schulleiterin die frischgebackenen Abiturientinnen und Abiturienten und appellierte an sie, kreativ und nicht angepasst zu sein und ihre Ideen und Visionen nun im „richtigen“ Leben zu verfolgen.

Nach gut zwei Stunden endete eine zwar „heiße“, aber würdige und kurzweilige Abiturverleihung.

 

A. Horner, F. Kirmann

Abi Vegas – um jeden Punkt gepokert