Was haben Glas und Kunststoff gemeinsam?

Der Hörsaal, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Chemiesaal am Karo hat, ist halb gefüllt, als die Schüler der beiden Q11-Chemiekurse eintreten, um etwas Hochschulluft zu schnuppern. Prof. Dr. Muscat erwartet die angehenden Abiturienten bereits mit einer Vorlesung über die Eigenschaften von Kunststoffen, die sonst nur den Studierenden der Kunststofftechnik vorbehalten ist.

Als „sehr interessant und gut verständlich“ beschreibt in der Pause eine der Q11-Schülerinnen die 90-minütige Veranstaltung. Die begleitenden Lehrkräfte Hariette Ehrmann und Dr. Markus Hamberger verwundert das nicht, beschäftigen sich die Oberstufenschüler doch schon seit mehreren Jahren intensiv mit den Grundlagen der Chemie. Dementsprechend sind viele Begriffe wie „Atome“, „Moleküle“, „Kristallgitter“ oder „Elektronegativität“ bestens aus dem Unterricht bekannt. Eines ist jedoch neu: Prof. Muscat behauptet, dass die Stoffe Glas und Kunststoff so einiges gemeinsam hätten! Tatsächlich sind beide Werkstoffe sogenannte „unterkühlte Schmelzen“, was der Hochschuldozent anschaulich erklärt: Auch wenn Glas fest ist, so sind die Teilchen in einem Stück Glas doch so angeordnet, wie es typisch ist für Teilchen von Flüssigkeiten, nämlich vollkommen ungeordnet. Weshalb ist das Glas dann aber fest und nicht flüssig? „Das liegt an den starken Anziehungskräften zwischen den ‚Glasteilchen‘ und daran, dass jedes einzelne Teilchen recht groß ist. So können diese sich nicht gegeneinander bewegen und Glas fließt nicht“, erläutert der Materialchemiker. Und genauso verhalten sich die meisten Kunststoffe: Auch sie sind aus sehr großen Teilchen, sogenannten Polymeren, aufgebaut, die auf molekularer Ebene ebenfalls ungeordnet vorliegen, aber trotzdem einen Feststoff bilden. Kunststofftechniker können diese so verarbeiten, dass durchsichtige Materialien entstehen – bekanntestes Beispiel: Plexiglas!

 

„Ganz schön anstrengend, eineinhalb Stunden am Stück nur zuhören zu müssen“, befindet einer der Gymnasiasten im Anschluss. Da ist der Unterricht an der Schule doch etwas abwechslungsreicher! Stellvertretend für die über 50 Q11-Schüler bedanken sich die beiden Kursleiter Ehrmann und Dr. Hamberger bei Prof. Muscat für die interessante Veranstaltung und freuen sich, auch im nächsten Jahr wieder kommen zu dürfen.

Um neben der „Theorie“ des Hörsaals auch die praktische Anwendung kennenzulernen, marschieren die angehenden Abiturienten zum Ausklang in den riesigen Maschinenraum der Hochschule. Dort stellen Mitarbeiter moderne Apparaturen zur Kunststoffverarbeitung vor. Ausgangsmaterialien sind meisten kleine Kügelchen, aus denen – durch Erwärmung – jede beliebige Form hergestellt werden kann. Die „live“ produzierten Kunststoff-Gegenstände dürfen sogar als persönliche Andenken mitgenommen werden – so bleibt der spannende Tag vielleicht noch besser in Erinnerung!

Dr. M. Hamberger

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