Informatik aus der Praxis – ein Blick in die Berufswelt und über KI zum Anfassen

Am 20.07.2026 nahm uns Fabian Artmann, Mitbegründer der innFactory AI Consulting in Rosenheim, mit auf eine Reise in Sachen Künstlicher Intelligenz aus Sicht eines regionalen Softwareunternehmens. Mit seinem Vortrag erhielten die Schülerinnen und Schüler unserer neunten und zehnten Jahrgangsstufen einen praxisnahen und klaren Blick auf KI, seine Chancen und Risiken – jenseits von Hype und Schlagzeilen.

Zunächst berichtete Herr Artmann von den anfänglichen Fehlschlägen des Start-ups 2017 bis hin zum Durchbruch, den derzeitigen Aktivitäten und zukünftigen Herausforderungen. Die innFactory ist heute ein gesundes mittelständisches Unternehmen mit über 40 Mitarbeitenden, Kunden vom Mittelstand bis zum DAX-Konzern und 100 % eigenfinanziert. Im Unternehmen arbeiten Softwareentwickler, Cloud-Ingenieure und ein Jurist im selben Team zusammen, der Einsatz von KI-Werkzeugen nimmt dabei großen Raum ein.

Zunächst gab der Referent eine Einordnung der Teilgebiete maschinelles Lernen, Deep Learning und Generative KI. In Social-Media-Feeds, Smartphone-Kameras, Übersetzungstools, Navigationssoftware und Gesichtserkennung ist KI heutzutage unsichtbar integriert. Statt Regeln zu programmieren, lernt ein KI-Modell aus Beispielen. Große Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT sagen das wahrscheinlichste nächste Wort voraus. KI allein ist weder ein Lexikon noch eine Faktendatenbank. KI hat viele Stärken wie Texte zusammenfassen, schreiben, übersetzen, strukturieren oder programmieren. Überall da, wo es um Sprache und Muster geht, liefert KI beeindruckend gute Erstentwürfe. Doch es gibt (derzeit noch) deutliche Grenzen, z. B. falsche Ergebnisse bzw. Halluzinationen, Stichtagswissen oder Verzerrungen aus Trainingsdaten. KI ist ein brillanter Assistent, aber nicht allwissend. Die fachliche Verantwortung bleibt immer beim Menschen. Für Unternehmen kann es zu Datenabflüssen, Sicherheits- oder Datenschutzproblemen kommen, weshalb die abgeschlossene, nichtöffentliche Nutzung in einer eigenen Cloud relevant ist.

In seinem Vortrag beleuchtete Herr Artmann auch grundsätzliche Fragen:

  • Denkt eine KI, wenn sie doch nur ein „stochastischer Papagei“ ist?
  • Was ist im Netz noch echt, was ist Fake? KI macht Bilder, Videos und Stimmen täuschend echt nach.
  • Nimmt uns KI unsere Jobs weg? Einige Routinetätigkeiten geraten unter Druck, neue Berufe und Tätigkeiten entstehen.
  • Wem gehören die KI-Ergebnisse? Wird das Urheberrecht verletzt?
  • Wer kontrolliert KI? Ist Deutschland oder Europa digital souverän? Denn die USA und China dominieren Infrastruktur und Modelle.

Zum Schluss gab Herr Artmann noch konkrete Informationen zur Berufsorientierung im Bereich IT und einen Ausblick: Er zeigte die drei Wege zur Berufswelt auf, die sich durch Tempo und Theorieanteil unterscheiden:

  • Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (3 Jahre, viel Praxis)
  • Duales Studium (Bachelor und Betrieb parallel, dafür sehr fordernd)
  • Werkstudium / Praktikum im Studium (10–20 Std./Woche oder Praxissemester)

Wichtig für alle Interessentinnen und Interessenten sind Neugier, Ausdauer, Teamfähigkeit und gute Englischkenntnisse.

KI ist sehr mächtig, aber nicht magisch oder perfekt. Wer KI nutzt, sollte dies bewusst, kritisch und mit gutem Prompting tun. Wer die Funktionsweise von KI versteht, ihre Risiken kennt und die richtigen Werkzeuge nutzt, kann heute schon sehr viel bewegen – ob in der Schule, im Studium oder bald im Job. Die spannendsten Fragen sind noch offen, und die Forschung schreitet in Riesenschritten voran.

Quelle: „Engineering AI. Enabling Tomorrow.”, Innfactory-Vortragsfolien
             fobizz-KI, aufgerufen am 29.07.2026

Volker Denke