Im März 2026 hatten die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe am Karolinen-Gymnasium Gelegenheit, eine andere Perspektive auf Kolonialismus, seine Folgen und sein Weiterwirken zu erhalten. Im Gegensatz zum Englisch-, Französisch- und Geschichtsunterricht, in dem den Jugendlichen das Thema Kolonialismus begegnet, referierte Laetitia Massa, eine belgische Aktivistin und Unternehmerin, in ihrem Webtalk „Facing Colonialism: Lived Realities & Survival Strategies“ nicht nur zu ideologischen Grundlagen von Kolonialismus, sondern sie berichtete von den Auswirkungen, die dieser ganz konkret auf ihre Familie im Kongo hatte. Die Inhalte des ersten Teils des Vortrags waren abstrakt und komplex, legten aber die Grundlage für das Verständnis von persönlichen Beispielen im Verlauf des Webtalks, beispielsweise als Frau Massas Großeltern von belgischen Kontrolleuren besucht wurden und zeigen mussten, dass sie „zivilisiert“ genug seien um beispielsweise studieren zu können.
Frau Massa ermöglichte uns so in Rosenheim einen interessanten — und schockierenden — Eindruck davon, was Kolonialismus und seine chauvinistische und rassistische „Legitimation“ für Menschen in und aus Afrika bis heute bedeuten. Sie behielt Recht mit ihrer Feststellung, dass ihre Ausführungen den Zuhörerinnen und Teilnehmern ein Fenster eröffnen zu fremden Lebenswelten. Wenn möglichst viele Menschen in Europa und anderswo auf der Welt einen Blick durch solche Fenster zu machen lernen, können die ideologischen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen von Kolonialismus vielleicht doch gemindert werden. Wir danken Frau Massa ganz herzlich für ihren Einsatz und der VR Bank Rosenheim-Chiemsee Stiftung, die den Webtalk finanziert hat.
K. Hüttenhofer