„Verschafft euch Gehör!“

     

    Wenn in München das Jahresforum der EU-Alpenstrategie EUSALP stattfindet, dürfen sie natürlich nicht fehlen: die deutschen Delegationen des Jugendparlaments der Alpenkonvention (YPAC). Bestehend aus Schülern des Karo und des Gymnasiums Sonthofen setzen sich diese jährlich im Rahmen einer Diskussionswoche im parlamentarischen Stil für die Alpenregion ein – ein Besuch dieses Jahresforums war daher ein Pflichttermin.

     

    Die EU-Alpenstrategie, die seit 2016 existiert, will durch Zusammenarbeit der Alpenstaaten der EU die großen Probleme bekämpfen, die die Region bedrohen. Der Vorsitz wechselt jährlich, so hatte ihn in diesem Jahr Bayern inne. Auf dem Jahresforum in der BMW-Welt in München sollte nun Bilanz gezogen und ein Ausblick auf das kommende Jahr unter österreichischem Vorsitz gegeben werden.

     

    Während der Eröffnungsveranstaltung informierten also Vertreter des vergangenen slowenischen, des gegenwärtigen bayerischen und des kommenden Tiroler Vorsitzes über den Stand der Strategie. Dabei klärte der slowenische Vertreter über die vier Ziele auf, die im Jahr 2016 formuliert worden waren: An erster Stelle sollte eine umweltfreundliche Entwicklung stehen, dazu Bürgernähe und eine intensive Einbindung der Jugend. Als vierter wichtiger Punkt wurde schließlich die Sichtbarkeit genannt – die Ergebnisse der Zusammenarbeit sollen in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden. Unter bayerischer Leitung im vergangenen Jahr wurden in Arbeitsgruppen konkrete Inhalte dieser Ziele und deren Umsetzung besprochen, ebenso wie die direkte Einbindung dieser Themen in die EU-Politik. Im kommenden Jahr will der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter den Fokus vor allem die Verkehrsfrage richten. Die Alpenstraßen, allen voran die Brennerautobahn, sind enormen Belastungen ausgesetzt und die Arbeit am Brennerbasistunnel geht wesentlich langsamer voran als geplant. Aus diesem Grund soll unter tiroler Vorsitz die „Aktionsgruppe Mobilität“ gegründet werden, die sich speziell mit diesem Thema befassen soll.

     

    Anschließend widmete man sich besonders der Jugendpartizipation, einige Jugendliche, darunter YPAC-Mitglieder, durften auf die Bühne, um mit der Vizepräsidentin der Alpenkonvention, Marianna Elmi, und dem Vizepräsidenten der Metropolregion Grenoble, Claus Habfast, zu diskutieren. Man war sich einig, die Jugend mehr zu involvieren, besonders wenn diese sich bereits ernsthaft engagiere, wie das im Rahmen des Jugendparlaments der Fall sei. Auf die Frage, wie Jugendliche reagieren sollten, wenn man sie nicht ernst nehme, antwortete Habfast: „Verschafft euch Gehör!“

     

    Später am Nachmittag hatten die Schüler die Gelegenheit, mit Walter Deffaa, dem Berater der EU-Kommissarin für Regionalpolitik und Stadtentwicklung Corina Cretu, im Rahmen eines Bürgerdialogs zu sprechen. Hier kamen viele hochrelevante Themen wie Umweltschutz, demographischer Wandel und vor allem auch die Jugendpartizipation zur Sprache und die YPAC-Delegierten diskutierten mit dem EU-Politiker auf Augenhöhe. Auch bei diesem Forum waren alle der Ansicht, dass Jugendliche mehr in den politischen Prozess einbezogen werden sollten, vor allem da diese, als Folge des demographischen Wandels, von der Politik möglicherweise vergessen werden könnten.

     

    Für die Schülergruppe war der Nachmittag in München also hochinteressant und wichtig für die kommende Sitzung des YPAC im Frühjahr 2018 im slowenischen Maribor. Die Jahrestagung der EU-Alpenstrategie hat gezeigt, dass sich nicht nur das Jugendparlament mit Problemen der Alpenregion befasst, sondern dass auch, wie Landeshauptmann Günther Platter es ausdrückte, „Berlin, Paris und Rom […] in diesem Jahr näher an die Alpen gerückt [sind].“

     

    Kilian Schroeder, Q12