Elterninfoabend: Internet & Videospiele

     

    Nachdem im vergangenen Schuljahr die zunehmende Smartphonenutzung der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt des alljährlichen „Neon-Elternabends“ stand, lud die in Rosenheim ansässige gemeinnützige Stiftungsgesellschaft für Prävention und Suchthilfe „Neon“ gemeinsam mit dem Karolinen-Gymnasium heuer zu einem Infoabend mit dem Thema „Internet & Videospiele“ ein. Nach der Begrüßung sowie einigen einführenden Worten durch den stellvertretenden Schulleiter Carlo Ribeca gab der Suchtpräventionsexperte Roman Wehlisch vor knapp 30 Eltern in der Mensa des Gymnasiums Vorschläge und bot Orientierung zu Fragen, die für viele Eltern relevant sind, wie beispielsweise:

     

    • Können Videospiele abhängig machen?
    • Besteht durch die wachsende Digitalisierung eine erhöhte Isolationsgefahr für unsere Kinder?
    • Wie wirkt mediale Gewalt auf meine Kinder?
    • Wie sieht sinnvolle Medienerziehung aus?

     

    Angesichts des unheilvollen Tenors solcher Fragen, warnte der Referent davor, Internet- und Videospielnutzung per se zu „verteufeln“ oder aus einer häufigen Nutzung automatisch auf eine Sucht zu schließen („Du spielst den ganzen Tag – Du bist doch süchtig!“). Vielmehr müssen Eltern und gegebenenfalls Suchthilfeexperten gemeinsam mit dem Heranwachsenden die Situation analysieren. Hierfür gilt es auch, ein gewisses Verständnis für die Faszination der Videospiele und die damit verbundenen Grundbedürfnisse von Schülerinnen und Schülern – wie dem Verlangen nach Anerkennung oder dem Wunsch, zu einer Gruppe zu gehören – aufzubringen.

     

    Dass „Videospielsucht“ erst seit 2013 als Diagnose und noch nicht als anerkannte Krankheit aus medizinisch-psychologischer Sicht gelten kann, hängt auch mit der großen Schwierigkeit zusammen, eine solche zweifelsfrei festzustellen. Schlechter werdende schulische Zensuren müssen nicht zwangsläufig auf eine Videospiel- oder Internetsucht hindeuten – oft sind entwicklungsbedingte Gründe auszumachen. Weitere mögliche Hinweise auf eine Abhängigkeit können ein ungewöhnlich aggressives Verhalten oder die zunehmende Vernachlässigung des sozialen Umfelds sein, aber auch dann lässt sich nicht automatisch auf eine Sucht schließen. „Solange Ihr Kind nicht jede Minute an das Spiel denken muss und neben dem Videospielen auch noch anderen Interessen nachgeht, ist alles in Ordnung!“, beruhigte der Referent seine Zuhörer.

     

    Wie können Eltern präventiv und im Sinne einer adäquaten Medienerziehung mit dem nachvollziehbaren Verlangen ihrer Heranwachsenden nach Internet- und Videospielnutzung umgehen? Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen, deren Leben schließlich nur noch um Videospiele kreiste, empfiehlt Wehlisch:

     

    • „Informieren Sie sich über das Spiel, das Ihr Kind sich wünscht!“. Der einfachste Weg hierzu können über Youtube zugängliche Videos namens „Let´s play…“ sein. Hier erklärt ein Nutzer die wesentlichen Ziele und Inhalte des entsprechenden Videospiels.
    • Eltern sollten die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) der Videospiele ihrer Kinder kennen.
    • Mit gutem Beispiel voran gehen: beispielsweise sollten auch Erwachsene die Internetnutzung nicht überstrapazieren und in der Familie „freie Zeiten“ der Internet-, Videospiel- und Smartphonenutzung vereinbaren und deren Einhaltung durchsetzen.
    • Haltung beweisen: „Sollten Sie ein Videospiel nicht für geeignet für Ihr Kind halten, erlauben Sie auch den Kauf desselben nicht – selbst allen Argumenten („Aber alle in meiner Klasse dürfen das spielen!“) zum Trotz“, rät Wehlisch.

     

    Vielleicht treten so die durchaus positiven Aspekte von Videospielen in den Vordergrund: Die jungen Menschen können dabei einfach mal „abschalten“ und eine Studie hat gezeigt, dass sich Computerspiele förderlich auf die Problemlösefähigkeit ihrer Nutzer sowie auf deren Fingerfertigkeit auswirken.

     

    Zu guter Letzt informierte der Referent über das am 1. und 2. März in allen 7. Klassen stattfindende Neon-Projekt. In den eintägigen Workshops beschäftigen sich die jungen Schülerinnen und Schüler mit Themen rund um Suchtprävention und Gesundheitsförderung.

     

    Nach der knapp 90-minütigen Veranstaltung bedankte sich der stellvertretende Schulleiter Ribeca beim Suchtexperten für einen ebenso kurzweiligen wie informativen Vortrag und verabschiedete die Eltern.

     

    Dr. M. Hamberger