Chemische Weihnachten

     

    „Chemie ist, wenn es knallt und stinkt!“. So lautet eine verbreitete, spontane Assoziation zu dieser Naturwissenschaft. Was im Chemieunterricht, berechtigterweise, nur manchmal der Fall ist, traf beim zweiten MINT7-Modul „Chemische Weihnachten – Versuche in der Vorweihnachtszeit“ voll und ganz zu.

     

    Das „Knallen“ präsentierte sich als eine kleine Explosion in Begleitung einer eindrucksvollen Stichflamme von am Gasbrenner entzündeten, fein verteilten Bärlappsporen. Auch dank der zusätzlichen Experimentierstunden als „MINT-Klassen“ in den Jahrgangsstufen 5 und 6 beherrschen die Schülerinnen und Schüler der MINT7-Gruppe dieses wichtige Arbeitsgerät eines Chemikers schon sehr gekonnt. Im lediglich von Gasbrennern und gelegentlich aufflammenden „Feuerbällen“ erhellten Chemieübungsraum kam so schnell eine vorweihnachtliche Stimmung auf.

     

    Wer noch eine Botschaft an seine Liebsten schreiben wollte, bekam dann auf eine besondere Weise die Gelegenheit dazu:  Mit Pinsel und einer beinahe farblosen „Geheimtinte“ (Kupfersulfatlösung) verfassten die jungen Naturwissenschaftler Weihnachtskarten. Als Entwicklersubstanz für diese unsichtbare Tinte kam eine wirklich unangenehm riechende Chemikalie zum Einsatz: Ammoniaklösung, die vielen Schülern als stechender Geruch in die Nase fuhr und deshalb auch unter eine Art „Labor-Dunstabzug“ gestellt wurde. Nach wenigen Minuten Einwirkzeit waren die Karten fertig: „Ein frohes Weihnachtsfest“ oder auf Englisch: „Merry Christmas“ war nun deutlich in blauer Schrift zu lesen.

     

    Anschließend ging es weiter mit dem nächsten Versuch: Kann man aus Silber Gold machen? Zumindest kann man es versuchen. Dazu erhitzten die MINT7-Schüler eine bereits im Vorfeld mit einer „Silberschicht“ überzogene 1-, 2- oder 5-Cent-Münze gleichmäßig in der heißen Brennerflamme. Nach kurzer Zeit stellte sich Erstaunen ein: Die Münze war plötzlich goldfarben! Auf die berechtigte Frage hin, ob das „wirklich Gold?“ sei, musste Herr Dr. Hamberger allerdings einräumen, dass es sich zunächst bloß um einen silberfarbenen Zinküberzug handelte. Zusammen mit dem Kupfer, mit dem die Münzen ummantelt sind, bildete sich beim Erwärmen die goldfarbene Legierung Messing. Die so hergestellten „Goldtaler“ durften mit nach Hause genommen werden.

     

    „Braucht Ihr eine Pause?“ – angesichts eines dreistündigen Nachmittags eine durchaus naheliegendes Angebot, auf das die engagiert arbeitenden 7.-Klässler meist mit „Nein, machen wir den nächsten Versuch!“ reagierten. So verging die Zeit wie im Fluge und als sich schließlich beim letzten Versuch selbst geformte, weihnachtliche Styroporfiguren in Aceton regelrecht „auflösten“, konnte Herr Dr. Hamberger allen MINT7-Teilnehmern ein großes Lob aussprechen: trotz der wenigen chemischen Vorerfahrungen, führten sie alle Experimente mit großem Geschick und Verantwortungsbewusstsein durch. Die dabei gezeigte Begeisterung und Neugierde beeindruckten den Chemielehrer.

     

    Nach wohlverdienten Ferien dürfen sich die 38 MINT7-Teilnehmer auf ein Technik- und Informatikthema beim Modul „Robotik“ freuen – diesmal aber ohne dass es knallt und stinkt.

     

    Dr. M. Hamberger