„Lieber wütend als traurig“ –

    Autorenlesung vor Schülern mit dem Literaturpreisträger Alois Prinz

     

    Lebendig und packend vermittelte Zeitgeschichte erlebten am 28. November die Schüler aller 11. Klassen  bei einer Veranstaltung in der Mensa mit dem Schriftsteller Alois Prinz, der die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof mit dem Titel „Lieber wütend als traurig“ vorstellte. In seiner ursprünglich für Jugendliche verfassten Biographie verfolgt er die Entwicklung der Ulrike Meinhof von einer christlich geprägten Kindheit zur Mitgliedschaft in der „Baader-Meinhof-Bande“. 2003 erhielt er dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis.

     

    Der Schriftsteller las ausgewählte Passagen aus dem Buch und fesselte seine Zuhörer durch einen lebhaften Vortrag über seine damaligen Recherchen, seine Auseinandersetzung mit der Person der Ulrike Meinhof und über Grundzüge und Widersprüche ihres Lebens. Dabei zeichnete er den Weg einer zerrissenen Persönlichkeit nach und versuchte zu ergründen, wie aus der Aktivistin gegen Krieg schließlich eine gewaltbereite Terroristin, aus der in der Öffentlichkeit sehr bekannten Journalistin innerhalb kürzester Zeit der „Staatsfeind Nr. 1“ wurde, wie die Bild-Zeitung damals titelte. Es gelang Herrn Prinz auch durch den Einsatz vieler Fotos und eines kurzen Films über die Entwicklungen der Jahre kurz vor und nach 1968, den Schülern die dramatischen Geschehnisse der damaligen Zeit zu vergegenwärtigen. Am Ende standen Fragen zu den Motiven für Meinhofs Selbstmord im Jahr 1976.

     

    Mit Alois Prinz lernten die Schüler einen bedeutenden Autor von Biographien für Jugendliche und Erwachsene kennen, der nicht nur Träger des Rosenheimer Literaturpreises ist, sondern in diesem Jahr zudem mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur geehrt wurde. Zugleich erhielten sie die Gelegenheit, sich näher mit einem Thema zu beschäftigen, das im Moment neue Aktualität aufweist: Genau 40 Jahre liegen die Ereignisse des „Deutschen Herbsts“ zurück, die derzeit in allen Medien präsent sind.

     

    Leider kommt diese wichtige Epoche der deutschen Nachkriegsgeschichte jedoch im Schulunterricht oft viel zu kurz, wie Alois Prinz beklagte. Er war erfreut, dass unsere Schüler schon von ihren Geschichtslehrern auf das Thema vorbereitet worden waren. Eine Auseinandersetzung mit wesentlichen Themen der Zeitgeschichte zu ermöglichen gehört jedoch zum Selbstverständnis unserer Schule. Die Bereitschaft dazu bewiesen die Jugendlichen durch das große Interesse, mit dem sie 90 Minuten lang dem Vortrag folgten, und durch die interessierten Fragen am Ende der Veranstaltung.

     

    Angelika Berberich