Von Turnern und Sportlern:

    Ausstellung „verehrt - verfolgt - vergessen“ am Karo eröffnet

     

    Seit dieser Woche ist in der Mensa des Karo die Wanderausstellung der FC Bayern Erlebniswelt „verehrt - verfolgt – vergessen: Opfer des Nationalsozialismus beim FC Bayern München“ zu sehen. Die Ausstellung präsentiert die Lebenswege von Funktionären und Sportlern des FC Bayern, die während der NS-Zeit aufgrund ihrer Rasse oder politischen Ansichten verfolgt wurden. Zur Eröffnung konnte Schulleiterin Sigrid Rechenauer neben allen 9. Klassen den Fußballhistoriker und Mitarbeiter der Presseabteilung des FC Bayern, Armin Radtke, begrüßen, der den Schülern einen spannenden und informativen Einblick in die Entstehung des Fußballsports im 19. Jahrhundert gab. In diesem Zusammenhang skizzierte Radtke die Ursprünge des FC Bayern Münchens bis hin zur NS-Zeit. Direktorin Rechenauer stellte in ihrer Begrüßung heraus, dass im (Profi)Fußball dieselben Werte gelten wie auch in der Schülerschaft am Karo: Toleranz, Respekt und Zusammenhalt sind notwendig, um Erfolge zu erzielen – ganz gleich, woher man kommt.  

     

    Herr Radtke erläuterte den Schülern zunächst, dass die deutschnational und teilweise antisemitisch geprägte Turnerbewegung bzw. die Turnvereine im 19. Jahrhundert mit dem aus England kommenden, wettbewerbsorientierten Fußballsport wenig anfangen konnte. Der Sport wurde gar als „Fußlümmelei“ verächtlich gemacht. Daher war es wenig verwunderlich, dass sich im Jahr 1900 ein eigener Fußballverein, der FC Bayern, in München mit 17 Gründungsmitgliedern, darunter zwei jüdischen Bürgern, zusammenfand. Generell zeigte sich der FC Bayern als sehr weltoffener Verein, der lange vor den Zeiten der Champions League häufig Spiele im europäischen Ausland bestritt. Die jüdische Bevölkerung hatte eine enge Verbundenheit mit dem FC Bayern: Etwa 10% aller Vereinsmitglieder waren Juden; jüdische Trainer und Jugendleiter, allen voran der Präsident Kurt Landauer (1884-1961), haben den Verein in den Jahren vor 1933 stark geprägt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten mussten viele Funktionäre und Spieler ihr Engagement beim FC Bayern München aufgeben, Kurt Landauer beispielsweise emigrierte in die Schweiz.

     

    Neun Lebensschicksale dieser Menschen werden in der Wanderausstellung der FC Bayern Erlebniswelt gezeigt, die bis zum 15. März im Mensabereich des Karo zugänglich ist. Die gelungene Veranstaltung wurde durch drei Kurzpräsentationen von Schülern der 9d abgerundet, die Kurt Landauer und die jüdischen Fußballspieler Gottfried Fuchs und Julius Hirsch näher vorstellten.

     

    W. Adam